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Über 40 Jahre Wirtschaftsförderung - Gründung am 18.06.1968

Der Gesellschaftsvertrag der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH (WFG) wurde am 18. Juni 1968 unterzeichnet. Gegründet wurde die WFG seinerzeit im ehemaligen Kreis Ahaus unter dem Namen „Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Ahaus mbH“. Mit der kommunalen Gebietsreform im Jahre 1975 wurde die WFG in „Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH“ umbenannt. Sie ist seither für das gesamte Kreisgebiet zuständig.

 

 

Vor der Gründung der WFG wurde in den Gremien des Altkreises Ahaus intensiv diskutiert, auf welche Weise die Wirtschaft am besten bei der Bewältigung der damaligen tiefgreifenden strukturellen Probleme unterstützt werden könnte. Vor allem die rückläufige Entwicklung in der seinerzeit dominierenden Textilbranche gab Anlass zu größter Sorge um die wirtschaftliche Zukunft der Region. Die Zahl der Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie war beispielsweise zwischen 1960 und 1968 um rd. 4400 zurückgegangen. Dieser Rückgang konnte durch Zuwächse in anderen Wirtschaftszweigen, wie etwa in der Holzwirtschaft oder im Maschinenbau, nur knapp zur Hälfte aufgefangen werden.

 

 

Die Startbedingungen waren für die WFG also alles andere als günstig: Eine sehr einseitig ausgerichtete Wirtschaftsstruktur, eine überdurchschnittliche hohe Arbeitslosigkeit, eine als nachteilig empfundene Grenzlage zu den Niederlanden abseits der wirtschaftlichen Ballungsgebiete, und eine ausgesprochen hohe Geburtenquote.

 

 

Man befürchtete eine weitere Verstärkung der negativen Wirtschaftsentwicklung, man sorgte sich um die Zukunftschancen der nachfolgenden Generation und man rechnete mit einer Abwanderung der  jungen Leute in die wirtschaftlich aufstrebenden Ballungsräume. Bei einer solchen Wirtschaftsentwicklung wäre dann der Weg in Richtung „Armenhaus“ für das Westmünsterland vorprogrammiert gewesen. Dass man vor diesem bedrohlichen Szenario nicht die Augen verschlossen hat, sondern im Gegenteil mit Nachdruck dagegen angegangen ist, ist ein bleibender Verdienst aller damals Verantwortlichen.

 

 

Man war sich im Prinzip sehr schnell einig darin, dass Städte, Gemeinden und Kreis gemeinsam gefordert waren, Initiativen zu ergreifen, damit neue zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region entstehen konnten. Der intensive Diskussionsprozess führte dann zu dem Ergebnis, die Kräfte in einer gemeinsam getragenen GmbH zu bündeln. Die wichtigsten Stationen in diesem sehr ernsthaft geführten Diskussionsprozess waren:

 

Die Niederschriften der damaligen parlamentarischen Beratungen zeigen, mit welchem hohen Engagement und mit welcher Initiativkraft man an die Gründung der WFG herangegangen ist. Sie zeigen aber auch, wie ernsthaft man sich Gedanken um die künftige Entwicklung im Westmünsterland machte und mit welchen Sorgen man die Herausforderungen betrachtete.

 

Über den Aufgabenkatalog der neuen Gesellschaft wurde ebenfalls intensiv diskutiert. Der in der Fachliteratur inzwischen weitgehend überwundende Meinungsstreit über die richtige Gewichtung der Aufgabenfelder „Ansiedlungsförderung“ und „Bestandsentwicklung“ wurde in diesen Beratungen bereits damals praktisch gelöst: Die Unterstützung der heimischen Wirtschaft wurde neben der Ansiedlungsförderung als integraler Bestandteil der kommunalen Wirtschaftsförderung im Gesellschaftsvertrag verankert.

Beginn der Tätigkeit der WFG

 

Die ersten Jahre waren „Aufbaujahre“. Es galt, Kontakte und Arbeitsbeziehungen zu den Dienststellen des Kreises, der Städte und Gemeinden, der Kammern und Verbände, der Ministerien und Behörden, vor allem aber zu den heimischen Betrieben zu knüpfen.Dabei galt es auch, Daten und Materialien wie Gesetzestexte, Richtlinien, Wirtschaftsstatistiken, Standortdaten und Förderinformationen zusammenzustellen und aufzubereiten. Mit dem schrittweisen Aufgabenzuwachs in den folgenden Jahren wuchs auch die Zahl der Gesellschafter. Am 21. Mai 1970 traten das Amt Wessum sowie die Gemeinden Heek und Südlohn der Gesellschaft als weitere Gesellschafter bei.

 

 

In der Folgezeit bedeutete die kommunale Neugliederung für die WFG einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Entwicklung. Im Gebietsänderungsvertrag vom 15.03.1973 wurde festgelegt, dass die WFG unter dem Namen „Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH“ für das gesamte Gebiet des neu zu bildenden Kreises Borken tätig werde. Am 15. Juli 1976 sind die Städte Borken, Gescher, Isselburg und Rhede sowie die Gemeinden Heiden, Raesfeld, Reken, Schöppingen und Velen der Gesellschaft beigetreten.

 

Mit dem Beitritt der Stadt Bocholt am 05.02.2007 sind jetzt neben dem Kreis Borken alle Städte und Gemeinden Gesellschafter der WFG.Mit der Geschäftsführung der Gesellschaft wurde zunächst Kreiskämmerer Alois Richter nebenamtlich betraut. Ab 1. Mai 1969 zeichnete Günther Wagner als Geschäftsführer verantwortlich, ab 07. Juli 1969 Klaus-Peter Bunse. Zum 01. Januar 1973 wurde Heinrich Termath zum Geschäftsführer bestellt, dem zum 01. Januar 1984 Dr. Joseph Rottmann folgte. Seit dem 01. August 1990 ist Dr. Heiner Kleinschneider für die Geschäftsführung verantwortlich.

 

Aufgaben im Wandel der Zeit

 

Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sind einem stetigen Wandel unterworfen. Daran hat sich die Wirtschaftsförderung zu orientieren. Wirtschaftsförderung darf nicht statisch sein, sondern muss sich als dynamischer Impulsgeber verstehen. Dies galt zur Zeit der Gründung der WFG ebenso wie heute.

 

 

Wirtschaftsförderung muss sich an den Bedürfnissen der Unternehmen orientieren, muss zukunftsorientiert ausgerichtet sein, sie muss Entwicklungschancen erkennen und nutzbar machen, und sie muss strukturelle Defizite und Gefährdungen der Qualität der Region aktiv angehen. Ziel muss es sein, private und öffentliche Investitionen zur Schaffung von zukunftssicheren Arbeitsplätzen zu unterstützen.

 

 

Wenn man diese allgemeine Zielebene verlässt und die Instrumente betrachtet, so stellt man fest, wie sich auch die eingesetzten Instrumente im Laufe der Jahre geändert haben. Standortberatung, Finanzierungsberatung, Gründungsberatung, Technologieberatung, Standortmarketing, Stärkung der wirtschaftsnahen Infrastruktur, Gewerbeflächenvorsorge, Bildung und Qualifizierung: Das sind Themenfelder, deren Bearbeitung heute zwangsläufig anders aussieht als in der Vergangenheit.

 

 

Mit dem Wandel einher ging eine Änderung in der personellen Ausstattung der WFG. Bis etwa Mitte der 70er Jahre war die WFG im Wesentlichen ein „Ein-Mann-Betrieb“. Zu Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre sind zwei Fachberater hinzugekommen. Zu Ende der 90er Jahre wurde das Team durch zwei weitere Mitarbeiterinnen weiter verstärkt. Dies gab die Chance zu noch besserer Spezialisierung, zu noch hochwertigerer Beratungsqualität und noch stärkerer Orientierung an die Bedürfnisse der Betriebe.Nach der Gründung der WFG war zunächst die Ansiedlungswerbung, die Immobilienvermittlung und die Öffentlichkeitsarbeit das zentrale Tätigkeitsfeld der WFG. Ab Mitte der 70er Jahre trat dann verstärkt die Betreuung heimischer Unternehmen ins Zentrum der täglichen Arbeit, im Wesentlichen durch Beratung über die im Einzelfall in Frage kommenden öffentlichen Finanzierungshilfen. Im Zuge dieser Entwicklung war der Kreis Borken bis zum Auslaufen der Regionalförderung regelmäßig Spitzenreiter in der Hitliste derjenigen Kreise und kreisfreien Städte, die im Fördergebiet der regionalen Wirtschaftsförderung lagen.Zu weiteren wichtigen Arbeitsfeldern entwickelte sich die Beratung existenzgefährdeter Unternehmen sowie die Standortberatung von Unternehmen, die aus Immissionsschutz- oder Expansionsgründen verlagern wollen. In der Regel geht es dabei um Verlagerungen innerhalb der jeweiligen Kommune, oft auch um Verlagerungen innerhalb des jeweiligen Ortsteiles.Ab Mitte der 80er Jahre wurde eine weitere wegweisende Entscheidung getroffen: Bei der WFG wurde das Arbeitsfeld „Innovationsberatung“ aufgebaut und in den Folgejahren konsequent weiter ausgebaut. Zu einem Eckpfeiler der Technologieberatung wurde die Datenbankrecherche, mit deren Hilfe ungezählte Informationen über Patent-, Markt-, Firmen- und Produktentwicklungen recherchiert wurden. Ebenfalls ab Mitte der 80er Jahre wurden die Gründungsberatung und die Gründungsbetreuung zu einer weiteren zentralen Schwerpunktaufgabe der WFG entwickelt. Neben der individuellen Beratung wurden regelmäßige Informationsveranstaltungen und Seminarangebote für gründungswillige Personen bereitgestellt. In den dann folgenden Jahren rückten das Standortmarketing und die Entwicklung der wirtschaftsnahen Infrastruktur ebenfalls zunehmend in den Blickpunkt der Arbeit. Verbunden war dies mit einer deutlich stärkeren Vernetzung mit den wirtschaftsnahen Institutionen in der Region.Im Bereich der Informationsdienstleistungen wurden neue Wege gegangen. Seit Dezember 1990 gibt die WFG im 3-monatigen Rhythmus eine eigene Zeitschrift heraus, die sich an die Unternehmen im Kreis Borken richtet und eine Fülle von Informationen aus dem regionalen Wirtschaftsleben direkt in die Betriebe hineinträgt. Außerdem wurden neue internetgestützte Informationsangebote entwickelt und den Unternehmen zur Verfügung gestellt: Die Gewerbeflächenbörse, die Betriebsdatenbank, die Immobilienbörse und die Kooperationsbörse.Im Laufe der Jahre entwickelte die WFG in bestimmten Aufgabenbereichen neue Kooperationsformen in Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft: So wurde federführend eine Konzept für eine regionale Unternehmensbeteiligungsgesellschaft („UWe Unternehmensförderungsgesellschaft Westmünsterland“) erarbeitet. Zur zielgerechten Nutzung von Spezialwissen älterer nicht mehr im Erwerbsleben stehender Personen durch interessierte Betriebe wurde der Verein „Kompetenz auf Zeit e.V.“ gegründet, der eine Plattform für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage von Kompetenzträgern darstellt. Das neueste Beispiel für derartige Kooperationsprojekte ist die Gründung des Vereins „Netzwerk Westmünsterland e.V.“, der die Aufgabe hat, den Kreis Borken als „lernende Region“ weiter zu entwickeln.

 

 

Im Laufe der Jahre hat sich die Projektarbeit zu einem wesentlichen Bestandteil der Arbeit der WFG entwickelt. Durch gezielte Projekte werden konkrete Ziele in der Regel unter Beteiligung verschiedener Projektpartner angegangen, etwa zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft oder zur Verbesserung der wirtschaftsnahen Infrastruktur im Kreis Borken.

 

 

Zwischenbilanz nach 40 Jahren WFG

 

Die vor 40 Jahren getroffene Entscheidung zur Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH hat sich im Rückblick als richtig und zukunftsweisend erwiesen. Dies wird durch das Vertrauen der Wirtschaft in die Arbeit der WFG bestätigt.Durch die unmittelbare Einbindung der Städte und Gemeinden als Gesellschafter ist sichergestellt, dass die Wirtschaftsförderung von Kreis und Kommunen in sinnvoller Weise aufeinander abgestimmt ist und sich gegenseitig ergänzt. Die Städte und Gemeinden sind über ihre Vertreter in den Gremien der Gesellschaft in die Entscheidungen unmittelbar einbezogen.Die privatrechtliche Ausgestaltung als GmbH ermöglicht Flexibilität und Eigenständigkeit. Hierdurch ist sichergestellt, dass von Seiten der Wirtschaft Vorbehalte, wie sie gelegentlich gegenüber Behörden vorgebracht werden, gar nicht erst aufkommen können. Die Bereitschaft der Unternehmen, als Kunden der WFG ihre jeweiligen Fragestellungen offen auf den Tisch zu legen, ist für die praktische Arbeit der WFG auch unverzichtbar. Die WFG ist dafür prädestiniert, in ihrer Funktion an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung auch auf einen Ausgleich widerstreitender Interessen, wie sie zwischen Behörden und Betrieben gelegentlich vorkommen, hinzuwirken. Hier wirkt die WFG oft  „im Stillen“ als Mittler und Moderator, immer mit dem Ziel, „verträgliche“ Lösungen herbei zu führen.Zum Jahreswechsel 2007/2008 ist die WFG aus ihren langjährigen Geschäftsräumen im alten Kreishaus in Ahaus ausgezogen und hat neue Büros in einem modernen Umfeld an der Erhardstr. 11 in Ahaus angemietet. Die neuen Räumlichkeiten bieten deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen, etwa für zielgruppenorientierte Veranstaltungen.

 

 

An diesem Standort, gestützt durch das Vertrauen der Betriebe und mit dem Ziel, jederzeit als kompetente Serviceeinrichtung für die Wirtschaft auf eine Stärkung der wirtschaftlichen Strukturen im Westmünsterland hinzuwirken, fühlt sich die WFG auch für die nächsten 40 Jahre gut gerüstet.