Keimzelle für Innovationen

Das „Büro für Bionik“ in Bocholt promotet den bionischen Technologietransfer im Münsterland

 

Erst vor wenigen Wochen wurde das Bionik-Büro an der Westfälischen Hochschule in Bocholt feierlich eingeweiht. Ziel ist es, durch diese Vor-Ort-Schnittstelle den Bionik-Technologietransfer von der Westfälischen Hochschule in die Unternehmen im Kreis Borken und im Münsterland (bzw. genauso bionischen Forschungsbedarf von den Unternehmen an die Hochschule) zu fördern und zu begleiten. Hermann-Josef Raatgering, der das Büro als Bionik-Koordinator leitet, berichtet von seinen ersten Erfahrungen am Standort: „Die unmittelbare Nähe zum Westfälischen Institut für Bionik ist ein ungeheuer großer Vorteil. Die persönlichen Gespräche zu allen Ansprechpartnern gestalten sich unkompliziert. Der Draht zu den Bionikern ist kurz - so lassen sich Dinge schnel-ler auf den Weg bringen. Dennoch: Der nachhaltige Bionik-Technologietransfer in unsere Wirtschaft braucht noch etwas Zeit; die Vorteile der Bionik müssen im Einzelfall vertiefend analysiert werden.“ Derzeit nutzt der Bionik-Koordinator dafür auch die Unterstützung von Dr. Michael Bennemann. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Westfälischen Institut für Bionik hat im Bereich Bionik promoviert und verfügt über einen breit gefächerten Zugang zu dieser Zukunftstechnologie. Gemeinsam besuchen sie Unternehmen, sprechen mit Geschäftsführern und Entwicklungsleitern, um unternehmensspezifisch aufzuklären und für die bionische Innovationskraft zu sensibilisieren. Genau diese persönliche und kostenfreie „Bionik-Visite“ soll in naher Zukunft mit mehr Personalunterstützung auf eine breitere Basis gestellt zu werden. Die Vorbereitungen für die personelle Aufstockung des Büros für Bionik in vollem Gang.

„Vielfach fällt es Unternehmen schwer, auf den ersten kurzen Blick einen konkreten Anwendungsnutzen der Bionik in ihrem Unternehmen zu erkennen“, berichtet Raatgering. „Dabei hat die Natur viele Dinge schon vorgedacht. Die Bionik entschlüsselt diese Geheimnisse“, so Dr. Bennemann. „Und dass diese entschlüsselten Geheimnisse ganz konkret Synergieeffekte bieten, davon profitieren bereits einige Unternehmen nicht nur aus dem Kreis Borken, doch viele mehr sollten das Potential nutzen“, empfiehlt Raatgering. Zu den Bionik-Pionieren im Kreis Borken zählt z.B. das Bocholter Unternehmen Grunewald mit einer bionischen Werkzeugkühlung nach dem Vorbild eines Blattes mit 30 Prozent Effizi-enzgewinn. Mit einem bionischen Prinzip, das dem Sandfisch entlockt wurde, kann die Fa. Spaleck aus Bocholt eine deutliche Erhöhung der Standzeit von Siebwerkzeugen erreichen. In Altenberge hat die Fa. CLK mit dem Prinzip der künstlichen Intelligenz eine bionische Steuerung für Roboter entwickelt. In diesen Firmen arbeiten in den Entwicklungsabteilungen bereits eigens eingestellte Bioniker und Bionikerinnen. Bei Haake-Sicherheitstechnik aus Vreden unterstützt ebenfalls ein Bioniker die Weiterentwicklung von Produkten. Tec-Knit aus Rhede hat eine bio-nische Ausgestaltung von PKW-Innenverkleidungen und auch von tragenden Fahrwerkskomponenten entwickelt und erschließt sich mit die-ser Innovation gerade neue Märkte. Als ein bionischer Schwerpunkt, in dem das Westfälische Institut für Bionik (WIB) über besondere Kompetenzen verfügt, zeichnet sich das Thema ‚Leichtbaustrukturen‘ (leicht, flexibel und schnell beweglich) ab. Vögel oder auch Insekten machen es vor - viele bewährte bionische Konstruktionen aus der Natur können Produktinnovationen aus der Re-gion leichter und damit effizienter und wirtschaftlicher machen. In Kürze wollen 10 Unternehmen in einem Kooperationsnetzwerk gemeinsam mit Unterstützung des WIB – koordiniert über Büro der Bionik - bionisch leichte Strukturen für die eigenen Produkte entwickeln. Gefördert wird dies vom Bundeswirtschaftsministerium. „Damit die Bionik in möglichst vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen Einzug hält, wollen wir neben der kostenfreien Erstberatung vor Ort helfen, die Innovations- und Investitionshemmnisse auch mit Förderprogrammen zu überwinden“, so Raatgering.

Daher wird gerade mit Hochdruck an der weiteren Umsetzung des IN-TERREG-Förderprojekts „Bionik in KMU“ (BiK), das noch bis August 2019 geht, gearbeitet. Mit BiK soll das Bionik-Know-how von der WHs sowie von der Rijksuniversiteit Groningen (RuG) und dem Bionica Inno-vatie en Expertise Centrum ebenfalls in Groningen für Firmen-Entwicklungsprojekte nutzbar gemacht werden. Aus BiK werden hierfür eigens vier Bioniker finanziert. Das Einzugsgebiet dieses Förderprojektes umfasst die nördliche Euregio „Ems-Dollart-Region“ (EDR) und die hiesige EUREGIO mit Sitz in Gronau. Als Bindeglieder zur Wirtschaft fungieren vier „Wirtschaftsfördereinrichtungen“, für die nördlich gelegene EDR: das Technologie-Center Nord-Niederlande in Groningen (tcnn) zusammen mit der Emsland-GmbH aus Meppen und für die EURE-GIO/Gronau die Novel T zusammen mit der WFG für den Kreis Borken. Firmen mit weniger als 250 Mitarbeiter, die an BiK teilnehmen, profitieren in fünf Förderphasen von einer kostenfreien Aufschluss- und Intensivberatung für die Ideenfindung, über Potenzialanalysen mit einem Projektbudget von 10.000 Euro (75 % Zuschuss), weiter über die Entwicklung von Demonstratoren (40.000 Euro, 50 % Zuschuss) bis hin zum Prototypenbau (160.000 Euro, 50 % Zuschuss), bei dem auch eigenes Personal eingebunden werden kann. In den nächsten Monaten wird über das Büro der Bionik die Implementierung von Bionik in Firmen aus dem Münsterland forciert, dies insbesondere über das INTERREG-Projekt BiK. „Wer die Innovationskraft der Bionik für sein Unternehmen prüfen und nutzen möchte, kann jetzt noch aufspringen“, empfiehlt der Projektkoordinator für Bionik. 

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