Starke Unternehmen durch im Haushalt entlastete Mitarbeiter
„Unternehmen werden schon in naher Zukunft sehr hart um qualifizierte Mitarbeiter kämpfen müssen. Wir werden haushaltsnahe Dienstleistungen brauchen, um qualifizierte Mitarbeiter zu entlasten und an das Unternehmen zu binden – ganz allein schon wegen der demographischen Entwicklung.“ Mit deutlichen Worten wie diesen begann Dr. Christoph Asmacher von der IHK Nord Westfalen nach der Begrüßung durch Hermann Schulte, den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Gronau, seinen Vortrag auf der Informations-Veranstaltung „Starke Unternehmen durch im Haushalt entlastete Mitarbeiter“, zu der die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH (WFG) und Netzwerk Westmünsterland e.V. ins WZG in Gronau geladen hatte. Rund 25 interessierte Unternehmen und Anbieter von Haushaltsnahen Dienstleistungen aus dem gesamten Kreisgebiet waren der Einladung gefolgt, um sich in einer Mischung aus Vorträgen, moderierter Talkrunde und einem offenen Marktplatz, auf dem Anbieter von Haushaltsnahen Dienstleistungen ihr Angebot präsentierten, einen Einstieg in das Thema zu verschaffen und individuell zu informieren.
Dass der Fachkräftemangel kein Science-Fiction-Szenario bleibt, sondern Realität werden kann, wenn sich Unternehmer nicht schon heute auf tiefgreifende demographische Veränderungen einstellen, verdeutlichte Asmacher anschaulich anhand von Fakten und Zahlen. Doppelverdiener-Modelle werden zum Normalfall. Die Zukunftsforschung belegt, dass der outgesourcte Alltag der normale Lebensstil werde. Es gelte als sicher, dass man schon in naher Zukunft mehr berufstätige Frauen und Mütter als Fachkräfte benötige und auch auf Leistungsträger setzt, die länger im Betrieb bleiben. Die Entlastung dieser Mitarbeiter im Bereich häuslicher Pflichten kann somit eine wichtige Weichenstellung sein, um den drohenden Fachkräftemangel wirksam abzupuffern. So birgt der Bedarf an Haushaltsnahen Dienstleistungen in diesem Zusammenhang ein großes Marktpotential in sich, das z.B. vom Institut der Deutschen Wirtschaft bundesweit auf 600.000 Vollzeitstellen geschätzt wird. „Allerdings gibt es auf der gewerblichen Anbieterseite auch Hemmnisse, wie z.B. die bislang geringe Markttransparenz oder vor allem die Schwarzarbeit, die die Marktentwicklung deutlich erschweren“, so Asmacher weiter. Informations- und Medienkampagnen, eine zentrale Internetplattform mit regionalen Vermittlungsknoten oder mehr Anreize, auch finanzieller Art, legale Haushalts-Service-Firmen in Anspruch zu nehmen, könnten hier wertvolle Maßnahmen zum Gegensteuern sein.
eine deutliche Preisangleichung zwischen Legal- und Schwarzmarkt könnten hier wertvolle Maßnahmen zum Gegensteuern sein. Für mehr Marktdynamik hat die Handwerkskammer Münster gemeinsam mit der IHK als strategischer Partner bereits ein Pilotprojekt „Kompetenzregion haushaltsnahe Dienstleistungen Nord Westfalen“ auf den Weg gebracht, um Netzwerke zu schaffen und Dienstleistungsprozesse für Private zu verbessern.
Einen Einblick wie Haushaltsnahe Dienstleistungen professionell in der Praxis umgesetzt werden gab Kerstin Fromm vom SeniorenService der AWO GmbH aus Marl in ihrem Vortrag. Die Agenturleistungen des SeniorenService greifen schon heute vor allem dort, wo sich durch die Anforderung an mobile, flexible Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen Konfliktpotential in der Betreuung ergibt. Fahr- und Begleitdienste, mobiler Menüservice, Besuchs- und Betreuungsdienste und Hausnotruf sind einige Angebote von Haushaltsnahen Dienstleistungen, die Mitarbeiter für Angehörige heute vielfach vom SeniorenSerivce der AWO in Anspruch nehmen. Die Reduzierung von Fehlzeiten, ein allgemeiner Imagegewinn, ein besseres Betriebsklima und eine geringe Fluktuation und somit der Erhalt von Kompetenzen sind Nutzenargumente, die vor allem Großunternehmen in der Zusammenarbeit mit Dienstleistern wie der AWO schon erkannt haben.
Wie lassen sich mit Haushaltsnahen Dienstleistungen Steuern sparen? Welche Möglichkeiten aus steuerrechtlicher Sicht schon heute bestehen, erläuterte Birgit Wenning vom Steuerberatungsbüro HRW aus Ahaus als eine von vier Gästen der moderierten Talkrunde. Qualitativ hochwertig, zuverlässig und erfolgreich - Pionierarbeit in der Etablierung von haushaltsnahen Dienstleistungen hat „Die Zauberfrau“ Mechtild Konerding geleistet. Im Talk berichtete sie aus ihrer Perspektive von Markthemmnissen, Angeboten und Bedürfnissen auf der Nachfragesituation, wie sie sie an ihren sechs Unternehmensstandorten tagtäglich erlebt. „Es geht um’s Netzwerken, wir müssen mehr Kooperationen schaffen“ so der Appell von Dr. Frank Kühn-Gerhard, der im Talk Einblick in das laufende Projekt „Consumer Facility Management“ der Handwerkskammer Münster gab.
„Wir haben unser Ziel erreicht zu einem Thema, das in anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Dänemark längst stärker in Unternehmensprozesse integriert ist, zu sensibilisieren und mehr Transparenz zu schaffen“, äußert sich Veronika Droste vom Netzwerk Westmünsterland e.V. zufrieden nach der Veranstaltung.
„Der Anfang ist gemacht und die Resonanz der Teilnehmer zeigt uns, dass auf der Unternehmensseite der Nutzen von Haushaltsnahen Dienstleistungen schnell erkannt wird, z.B. wenn es darum geht qualifizierte Mitarbeiter aus der Erziehungszeit durch Haushaltsnahe Dienstleistungen wieder früher in den Job zurück zu holen“, resümiert Ingo Trawinski, Betriebsberater bei der WFG.


